Dreiundzwanzigster Brief - Acht Fragen

»Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt nichts, dass nicht dankend Ihn lobpreist.« »Friede sei mit Euch und das Erbarmen Gottes und Sein Segen, immer und soviel wie Dein Leben Zehntelaugenblicke und Dein Körper Atome zählt.«



Mein lieber, fleißiger, ernsthafter, wahrhaftiger, aufrechter, entschlossener Bruder.
Für die Brüder, welche die Erkenntnis der Wahrheit und den Glauben an das Jenseits mit uns teilen und für die alle Unterschiede von Zeit und Raum kein Hindernis für unsere Gemeinschaft (sohbet) und den vertrauten Umgang mit uns bilden. Auch wenn einer von ihnen im Osten und ein anderer im Westen, der eine in der Vergangenheit und ein anderer in der Zukunft, der eine in diesem und der andere in jenem Leben sein sollte, so können sie doch als beieinander betrachtet werden und Gemeinschaft (sohbet) miteinander pflegen. Besonders können diejenigen, welche die gleiche Aufgabe unternommen haben, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, als einander gleich betrachtet werden. An jedem Morgen stelle ich mir vor, dass Sie bei mir sind und widme Ihnen einen Teil, etwa ein Drittel (möge Gott es annehmen) meiner geistigen Übungen. In meinem Gebet sind Sie mit Abdulmecid und Abdurrahman zusammen. Möge es Gottes Wille sein, dass Sie dann jedes Mal auch Ihren Anteil bekommen... Es hat mich um ihretwillen ein wenig traurig gemacht, dass Sie hinsichtlich ihres irdischen Lebens unter einigen Schwierigkeiten gelitten haben. Da aber diese Welt nicht ewig ist und in allem Unglück immer auch etwas Gutes liegt, kam mir für Sie in mein Herz: »Oh Gott (Ya Hu), aber auch das vergeht.«
Und so dachte ich mir:


»Es gibt kein wahres Leben außer dem jenseitigen.«



und so rezitierte ich die Ayah


»Wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen.« (Sure 2, 153)



und ich zitierte weiter


»Gottes sind wir und zu Ihm kehren wir zurück.« (Sure 2, 156)



So habe ich mich an Ihrer Stelle getröstet.
Wenn Gott der Gerechte einen Seiner Diener liebt, macht Er ihm die Welt zum Ekel und lässt sie ihm hässlich sein. Möge Gott es wollen, dass auch Sie zu dieser Schar Seiner Geliebten gehören. Lassen Sie sich durch eine solche Anhäufung von Hindernissen gegenüber einer Veröffentlichung der »Sözler« (Worte) nicht beunruhigen. Möge Gott es wollen, dass, sobald die Menge der durch Sie veröffentlichten (Schriften) sich als eine Barmherzigkeit (rahma) erwiesen haben, auch diese lichterfüllten Samenkörner sich in einer besonders segensreichen Form zu einer Vielzahl von Blüten öffnen werden.
Sie haben mir da einige Fragen gestellt. Mein lieber Bruder! Die meisten der (bisher) aufgezeichneten »Sözler« (Worte) und Briefe gelangten ohne mein Zutun ganz plötzlich und unerwartet in mein Herz und so war es gut. Wenn ich Ihnen nach Art des Alten Said wissenschaftlich, wissentlich und willentlich meine Antwort schriebe, so wäre sie mangelhaft und blass. Doch seit einiger Zeit sind diese Eingebungen in meinem Herzen ausgeblieben und die Peitsche meiner Erinnerung gebrochen. Damit Sie jedoch trotzdem nicht ohne eine Antwort bleiben, will ich auf jede von ihren (Fragen) hier eine kurze Antwort geben:
Zu Ihrer Ersten Frage: Wie sollten Gläubige am besten für andere Gläubige beten?
Antwort: (Gebete) müssen im Rahmen der gegebenen Umstände annehmbar sein. Denn ein Gebet wird unter bestimmten Bedingungen annehmbar (makbul). Ihre Annehmbarkeit wächst je nach der Zahl annehmbarer Umstände. Zum Beispiel: Wenn man beten will, beginne man damit, um Verzeihung zu bitten und sich so innerlich zu reinigen. Danach spreche man den Segen über unseren Propheten aus, ein Gebet, das stets angenommen wird und verbinde es sodann als eine Art Fürsprache (mit dem eigenen Gebet) und schließe mit einem erneuten Segen für den Propheten. Denn ein Gebet, das zwischen den beiden (Segnungen des Propheten, die allzeit angenommen werden) ausgesprochen wurde, wird gleichfalls stets angenommen.






Zudem »soll man (ehrlicherweise) in seiner Abwesenheit für ihn beten.« Und man soll auch jene einflussreichen Gebete verwenden, wie sie in Qur’an und Hadith zu finden sind. Zum Beispiel:


»Oh Gott, ich bitte Dich um die Vergebung und das Wohlbefinden für mich und für ihn (N.N.) in dieser und in jener Welt. Unser Herr, gib uns Gutes in der diesseitigen und in der jenseitigen Welt und bewahre uns vor der Strafe des Feuers!«



(Von solchen) ganz allgemeinen Bittgebeten gleich diesen, die aufrichtig und ehrlich, demütigen und ruhigen Herzens dargebracht werden, nach den täglichen Gebeten (Namaz) und besonders nach dem Morgengebet, besonders an heiligen (mubarak) Orten, in einer Moschee, an einem Freitag, besonders in (jener, zwar geheimen) Stunde, in der (freitags die Gebete) erhört werden, in den heiligen drei Monaten (Radjab, Scha’aban, Ramadan), besonders in den heiligen Nächten, besonders in der Nacht der Bestimmung (qadir, im Ramadan) dargebracht werden, darf man mit Recht erwarten, dass sie von der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit (rahma) angenommen werden. Das Ergebnis solch annehmbarer Gebete zeigt sich entweder schon in dieser Welt, und zwar genau in der erwünschten Weise, oder sie werden doch angenommen in einer dem Gebet entsprechenden Weise nach der Art des Jenseits und des Ewigen Lebens. Das heißt also, wenn etwas nicht genau in der gewünschten Weise geschieht, sollte man nicht sagen, dass das Gebet nicht erhört wurde, sondern dass es in einer besseren Form erhört worden ist.
Zu Ihrer zweiten Frage: Da der Ausdruck »möge Gott mit ihm zufrieden sein« für die Gefährten des Propheten gebraucht wird, ist es dann angemessen, ihn auch für andere in dieser Bedeutung zu verwenden?
Antwort: Man kann hier »Ja« sagen, denn anders als das »mit dem Friede und Sein Segen sei«, was über den Ehrenwerten Gesandten ausgesprochen wird, ist die Hinzufügung »möge Gott mit ihm zufrieden sein« keineswegs charakteristisch für die Sahabis, sondern sollte vielmehr gebraucht werden für Persönlichkeiten wie die vier Imame (der Rechtsschulen), Abdulkadir el-Geylani, Imam-i Rabbani, Immam Ghasali, die sich wie die Sahabis auf der Stufe der großen Heiligen befinden, die man als die Nachfahren des Prophetentums bezeichnet, welche Gottes Zufriedenheit erlangt haben. Doch im Allgemeinen ist es der Brauch unter den Gelehrten, über die Sahabis: »Möge Gott mit ihm zufrieden sein!«, über die Gefährten der zweiten und dritten Generation: »Gott hab’ ihn selig!« und: »Möge Gott ihm vergeben!« über die folgenden Generationen und über die Heiligen, die Gottesfreunde: »Möge Gott sein Geheimnis heiligen!« zu sagen.
Zu ihrer dritten Frage: Hatten die großen Imame und Exegeten (mutschtehid) eine höhere Bedeutung oder hatten die Scheichs und Pole (qutb) der wahren Orden (tariqat) eine größere Bedeutung?
Antwort: Nicht alle Exegeten. Doch Abu Hanifa, Malik, Schafi und Ahmed Ibn Hanbal stehen über allen Scheichs und den Polen. Aber in gewisser Hinsicht haben einige wundertätige Pole, wie Scheich Geylani auf Grund ihrer besonderen persönlichen Eigenschaften (hususi Fazilet) eine besonders strahlende Position (maqam) inne. Dagegen sind die allgemeinen besonderen Eigenschaften (kulli fazilet)(gerade besonders charakteristisch) für die Imame (der Rechtsschulen). Zudem waren einige Persönlichkeiten (Sufis) in den Orden zugleich auch Exegeten. Doch deswegen sollte man nicht allen Exegeten einen höheren Vorzug (fadhl) vor den Polen einräumen. Doch lässt sich sagen, dass die vier Imame (der Rechtsschulen) die vorzüglichsten nach den Sahabis und dem Mehdi sind.
Ihre vierte Frage:


»Gott ist mit den Geduldigen.« (Sure 2, 153)



Was ist Sinn und Zweck dieser Weisheit?
Antwort: Gott, der Gerechte hat als Erfordernis Seines Namens »der Allweise (Haqiem)« bei der Entstehung der Dinge eine Anordnung wie die Stufen einer Leiter festgelegt. Ein ungeduldiger Mensch handelt unsorgfältig und überspringt so (die einzelnen Sprossen), lässt sie aus, und kann so sein Ziel nicht erreichen. So kommt er durch seinen Ehrgeiz zu Fall. Geduld jedoch ist der Schlüssel zu allen Schwierigkeiten.


»Der Ehrgeizige ist das Subjekt seiner Enttäuschung und des erlittenen Schadens.« »Geduld ist der Schlüssel zur Rettung.«



Diese Ahadith sind zu Sprichwörtern geworden!
Das heißt, die Güte (inayat) und der Erfolg (taufiq) sind mit den Geduldigen.
Nun aber ist die Geduld von Dreierlei Art:
Erstens: Geduld üben in der Zurückhaltung von den Sünden. Diese Art der Geduld wird Gottesfurcht (taqwa) genannt und führt uns zu der tiefen Wahrheit (sirr) von


»Fürwahr Gott ist mit den Gottesfürchtigen.« (Sure 2, 194)



Zweitens: Geduld üben im Unglück heißt Gott vertrauen (tewekkul) und sich (Seinem Willen) zu unterwerfen (teslim), das heißt, wir erfahren die Ehre der Offenbarung der Ayat


»Fürwahr Gott liebt die Ihm vertrauen.« (Sure 3, 159) »Fürwahr, Gott liebt die Geduldigen.« (Sure 3, 146)



Was hingegen die Ungeduld betrifft, so enthält sie eine Vorwurf gegen Gott, woraus eine Kritik an Seiner Handlungsweise, eine Klage gegen Seine Barmherzigkeit (rahmet) und eine Missachtung Seiner Weisheit (hikmet) resultiert. Denn der Mensch weint in der Tat in seiner Schwäche und Hilflosigkeit, wenn er sich über einen Schicksalsschlag beklagt. Doch sollte er seine Klage vor Ihm ausschütten und nicht gegen Ihn. Seine Worte sollten so sein wie die des ehrenwerten Jakob, mit dem der Friede sei:


»Fürwahr ich schütte meine Klage und meinen Kummer vor Gott aus.« (Sure 12, 86)



Das heißt, man sollte seine Klage vor Gott ausschütten statt: »Ach und oh weh!« zu stöhnen und zu sagen: »Was habe ich denn getan, dass dies über mein Haupt gekommen ist.« so als wolle er sich vor den Menschen über Gott beklagen. Auf diese Weise das Mitleid der Menschen zu erregen, ist negativ und sinnlos.
Die dritte Art von Geduld ist die Geduld im Dienst und in der Anbetung (ibadet). Diese Form von Geduld erhebt ihn zu der Stufe eines Geliebten (maqam-i mahbubiyet). Sie führt schließlich (auf die Stufe) eines vollkommenen Dieners (ubudiyet), welches die höchste Stufe (maqam) ist.
Ihre fünfte Frage: Man nimmt im allgemeinen an, dass das Alter, in dem (das Kind) zu eigener Verantwortlichkeit heranreift (mukellefiyet), das fünfzehnte Lebensjahr ist. In welcher Form verrichtete der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, damals das Gebet (ibadet), noch ehe er zum Propheten berufen worden war (und damit die genauen Anweisungen dazu erhalten hatte)?
Antwort: Er betete entsprechend der alten religiösen Tradition, so wie sie sich hinter vielen Schleiern verborgen in Arabien seit der Zeit des Ehrenwerten Ibrahim, mit dem der Friede sei, erhalten hatte. Dies geschah damals jedoch nicht als Pflicht (farz) oder Zwang, sondern freiwillig und aus seiner eigenen positiven Haltung zum Gebet heraus. Doch das ist eine lange Geschichte, weshalb ich mich hier kurz fassen möchte.
Ihre sechste Frage: Was war die Weisheit (hikmet) hinter dem Umstand, dass die Zeit seines Prophetentums erst in seinem vierzigsten Lebensjahr begann, dem Jahr, das als das Jahr der Reife und Vollendung angesehen wird, während doch die gesamte Spanne seines Lebens nur dreiundsechzig Jahre betrug?
Antwort: Dafür gibt es viele Gründe (hikmet). Einer davon ist der folgende: Das Prophetentum bringt eine große und schwere Verantwortung (mutekellefiyet) mit sich. Eine solch schwere Verantwortung kann nur der auf seine Schultern laden, dessen intellektuelle Fähigkeiten und Gemütskräfte (qalb) sich bereits ganz und vollkommen entfaltet haben. Die Zeit dieser Vervollkommnung aber ist das vierzigste Lebensjahr. Zudem ist die Zeit der Jugend und des ersten Mannesalters, wenn die unruhige Phase der Leidenschaft der Seele, die Zeit, wenn das Blut im Körper noch heiß schäumt und der Abschnitt, wo noch Ehrgeiz und weltliche Interessen empor lodern, völlig ungeeignet für die Erfüllung eines prophetischen Auftrags, der nur auf Gott und das Jenseits gerichtet und durch Ihn geheiligt ist. Wie ernsthaft und aufrichtig ein Mann vor seinem vierzigsten Lebensjahr auch sein mag, er gerät doch bei denen, die für sich selbst in ihrer Vorstellung nach Ruhm suchen, in den Verdacht, dass er in dieser Welt vielleicht nach Ehre und Ansehen strebt. Da kann er sich nicht so schnell vor ihren Beschuldigungen retten. Doch nach vierzig beginnt der Abstieg zum Grabe und das Jenseits tritt ihm deutlicher als das Diesseits vor Augen. So kann er sich selbst rasch und mit Erfolg vor derlei Beschuldigungen retten, wenn er im Hinblick auf das Jenseits handelt und sich bewegt, und auch die anderen bleiben frei und vor bösartigen Vermutungen bewahrt.
Was aber die dreiundsechzig Jahre eines glücklichen (weil fruchtbaren und erfolgreichen) Lebens betrifft, so ist eine der vielen Weisheiten (die ihm zu Grunde liegen) folgende: Alle Gläubigen sind durch das Gesetz (ihres Glaubens) gehalten, den Ehrenwerten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, über alles zu lieben und zu ehren, in gar keiner Weise Ekel vor ihm zu empfinden und alles an ihm (hal) für gut und schön zu erachten. Darum ließ Er Seinen Ehrenwerten Geliebten in der so schwierigen und mühseligen Zeit nach sechzig nicht (länger auf Erden zurück), sondern berief ihn mit dreiundsechzig Jahren zu sich in die erhabene (Gemeinschaft der) Edlen, welche Lebensspanne damals offensichtlich die gewöhnliche der Gemeinschaft war, der er ein Vorbild (Imam) war, und zeigte so, dass er ihr Imam in jeglicher Hinsicht war...
Ihre siebente Frage:


»Die besten unter euren Jünglingen sind die, welche den Greisen unter euch ähnlich und die schlimmsten unter euren Greisen diejenigen, welche euren Jünglingen ähnlich sind.«



Ist das ein Hadith und was ist damit gemeint?
Antwort: Ich habe gehört, dass es ein Hadith ist. Was damit gemeint ist, ist folgendes: »Der beste der Jugendlichen ist derjenige, der sich wie ein Alter an den Tod erinnert und für sein Jenseits arbeitet, der sich nicht von der jugendlichen Lust und Laune gefangennehmen und in der Gottvergessenheit ersticken lässt. Und der schlechteste der Alten unter euch ist derjenige, der in Gottvergessenheit, Lust und Laune den Jugendlichen nachahmen will, und sich wie ein Kind den Wünschen seiner Begierde unterwirft.«
Die richtige Form des zweiten Abschnitts, den Du an Deiner Merktafel sahst, ist die folgende: Ich hing es als eine Merktafel der Weisheit über das Kopfende (meines Bettes). An jedem Morgen und an jedem Abend gucke ich danach und nehme meinen Unterricht:
  • »Wünschst Du Dir einen Freund, so genügt Dir Allah.« Tatsächlich sind alle Dinge Freunde, wenn Er Freund ist.
    »Wünschst Du Dir einen Helfer und Gefährten, so genügt Dir der Qur’an.« Tatsächlich begegnet man darin den Gottesgesandten und den Engeln seiner Vorstellung entsprechend, betrachtet ihre Erlebnisse und macht sich mit ihnen vertraut.
    »Wünschst Du dir Reichtum, so genügt dazu eine bescheidene Haltung.« Tatsächlich ist derjenige, der genügsam lebt, sparsam. Wer sparsam ist, findet Segen.
    »Suchst Du nach einem Feind, so genügt Dir Deine Begierde (nefis).« Tatsächlich wird der, welcher sich selbst gefällt, vom Unglück heimgesucht und vom Unheil geplagt. Derjenige, der nicht selbstgefällig ist, findet seine Freude und empfängt Gottes Barmherzigkeit.
    »Suchst Du einen Ratgeber, so genügt Dir der Tod.« Tatsächlich löst sich derjenige, der über den Tod nachdenkt, von der Weltliebe und arbeitet ernsthaft für das Jenseits.
Ich füge zu Ihren sieben Fragestellungen noch eine achte hinzu. Es handelt sich um folgendes:
Vor ein paar Tagen rezitierte ein gewisser Hafidh die Sure »Jusuf« bis zu der Ayah:


»Lass mich als Muslim sterben und nimm mich unter die Rechtschaffenen auf!« (Sure 12, 101)



Ganz plötzlich und unerwartet tauchte in meinem Herzen die folgende Anmerkung auf: Alles was den Qur’an und den Glauben betrifft, ist wertvoll. Wie klein es auch äußerlich betrachtet sein mag, so ist sein Wert doch groß. In der Tat ist, was der Ewigen Glückseligkeit dienlich ist, nicht klein. Weil dies aber so ist, darf man nicht sagen, es sei dies doch nur ein kleiner Punkt, nicht wert einer Erklärung, und verdiene keine Aufmerksamkeit. Und sicherlich möchte der, welcher in den verschiedenen Angelegenheiten dieser Art der erste Schüler und Ansprechspartner war, Ibrahim Hulusi, auch diese Anmerkung hören. So höre denn nun:
Es ist eine gute Anmerkung zu einer der schönsten Geschichten, eine erhabene, anmutige, eine frohe Kunde berichtende, wunderbare Anmerkung zu der Ayah


»Lass mich als Muslim sterben und nimm mich unter die Rechtschaffenen auf!« (Sure 12, 101)



die das Ende der Geschichte Josefs, mit dem Friede sei, und die schönste aller Geschichten berichtet und folgendermaßen lautet: In anderen frohen und glücklichen Erzählungen verbittern Tod und Trennung, Leid und Schmerz in diesen Erzählungen am Ende die Freude, empfangen aus der Vorstellung, welche die Erzählung erweckt, und zerstören sie. Und dies immer dann besonders, wenn sie gerade dann von Tod und Trennung berichten, wenn sie gerade über vollkommene Freude und Glück berichten, wodurch diese Nachricht dann um so schmerzhafter ist und die Zuhörer: »Oh weh!« rufen lässt. Gerade auf dem strahlenden Höhepunkt dieser Erzählung, als Josef, mit dem der Friede sei, bereits der mächtigste Mann in Ägypten geworden ist, wieder vereint mit seinen Eltern, nach einem Wiedersehen und vertrauten Gesprächen mit seinen Brüdern und die größte Freude und das höchste Glück dieser Welt erfährt, berichten diese Ayat in der folgenden Weise von seinem Tode, indem sie erzählen: In diesem glücklichen und frohen Zustand erbat sich Hazret Yusuf selbst von Gott dem Gerechten den Tod, um einen noch strahlenderen Zustand zu erfahren; und so starb er. Das heißt: jenseits der Freuden und Vergnügungen dieser Welt gibt es jenseits des Grabes ein Glück, das noch anziehender und einen Zustand, der von noch mehr Freude erfüllt ist, sodass eine Persönlichkeit mit Augen, die die Wahrheit schauen wie Hazret-i Yusuf, mit dem der Friede sei, inmitten dieses Zustandes einer so großen Freude in dieser Welt diesen doch so bitteren Tod ersehnte, damit er diese andere Glückseligkeit erlangen könne. So betrachte denn diese besondere Beredsamkeit des weisen Qur’an, in welcher Weise er das Ende der Geschichte von Josef erzählt. Wer dieser Erzählung lauscht, erfährt nicht Kummer und Schmerz, sondern verkündigt frohe Kunde und fügt noch Freude hinzu. Er gibt auch Führung und Leitung, indem er sagt: Bemüht euch um das, was jenseits des Grabes liegt. Dort findet ihr die wahre Glückseligkeit und eine echte Freude. Zudem zeigt er uns die erhabene Treue von Hazret-i Yusuf und sagt: Auch der glänzendste und freudigste Zustand (hal) der Welt kann ihn nicht in Gottvergessenheit (ghafla) verfallen lassen, ihn nicht berauschen; er sehnt sich auch weiterhin nach dem Jenseits.


»Der Beständige ist der, der bleibt und besteht.«



Said Nursi