Reinheit




Verehrte Muslime,

Unser erhabener Herr und unser geliebter Prophet legen sehr viel Wert auf jede Form der materiellen und geistigen Reinheit. So handelt z.B. einer der Verse, die nach dem ersten Koranvers und Befehl “lies” offenbart wurden, von der Reinheit. Allah, der Erhabene, spricht im Koran zum Propheten: “O du Bedeckter (Prophet)! Steh auf und warne. Und veherrliche deinen Herrn. Und reinige deine Kleider (deine Seele). Und meide den Greuel (der Unreinheit und der Sünden/der Götzendienerei).” (Koran, Muddasir:1-5). Auch unser Prophet Muhammed (Gottes Segen und Heil seien auf ihm) wies darauf hin, dass die Reinheit ein Gebot des Glaubens sei und sagte: “Reinheit ist die Hälfte des Glaubens.” [1]

Der Mensch ist, aus islamischer und ethischer Sicht, dazu verpflichtet, sich von materiellen und geistigen Unreinheiten fern zu halten. Unser erhabener Herr offenbart uns im Koran: “ ... Siehe, Allah liebt die, die bereuen und die, die sich reinigen.” (Koran, Bakara:222). Und unser Prophet bringt diese Tatsache mit folgendem Spruch zum Ausdruck: “Allah ist rein und liebt die Reinheit.” [2]


Verehrte Muslime,

Sünden und nach islamischer Rechtsauslegung Verbotenes sind wie ein Krankheitserreger oder ein Virus. Nisten sie sich einmal ein, richten sie beim Menschen sowohl im Dies-, als auch im Jenseits einen irreversiblen Schaden an. Gottesdienstliche Handlungen, nach islamischer Rechtsauslegung Erlaubtes und gute Taten hingegen, reinigen den Menschen geistig und verhelfen ihm dazu, dass er sowohl im Dies-, als auch im Jenseits glücklich und zufrieden ist. Allah, der Erhabene, sagt im Koran: “Wohl ergeht es dem, der die Seele läutert (von Götzendienst, Unglauben, von den Rechten anderer Menschen, an denen man sich vergriffen hat und von Ungehorsam gegenüber Gott). Und verloren geht der, der sie (damit) verdirbt.” (Koran, Schams: 9-10) Lasst uns nicht vergessen, dass die materielle und geistige Reinheit, nach dem Glauben, die zweitwichtigste Voraussetzung dafür ist, um Allah dienen, sich im Gebet an ihn richten und seiner Liebe habhaftig werden zu können.


Verehrte Muslime,

Wenn der Islam uns befiehlt, vor den rituellen Gebeten, die fünfmal am Tag verrichtet werden müssen, eine rituelle Waschung vorzunehmen, so zielt er darauf ab, dass wir, materiell gesehen, unsere Körperglieder waschen und uns auf geistiger Ebene von den Sünden reinigen. Jeder Muslim, der fünfmal am Tag die rituelle Waschung vornimmt und sich dabei die Hände wäscht, gibt dabei eigentlich auch ein Versprechen an Allah ab: er verspricht, dass er mit seinen Händen anderen Menschen keinen Schaden zufügen wird und, dass er seinen Lebensunterhalt rechtmäßig und im Schweiße seines Angesichts verdienen wird. Wenn er seinen Mund ausspült, verspricht er, dass er nicht lügen wird, dass er Geheimnisse nicht weitererzählen und niemandem das Herz brechen wird. Wenn er seine Ohren wäscht, verspricht er, dass er schädlichen Worten, die Allah missfallen würden, kein Gehör schenkt. Und wäscht er seine Füße, so verspricht er Allah fünfmal am Tag, dass er den richtigen Pfad nicht verlassen und keinen Weg beschreiten wird, der Allah missfallen könnte. Anschließend bestätigt er seine Versprechen mit dem Gebet, das er verrichtet. An dieser Stelle möchte ich eine Bemerkung machen: Stellen sie sich eine Religion vor, die fünfmal am Tag, wenn zum Gebet gerufen wird, mit „hayya alel-felah“ (arabisch: auf zum Wohl) alle Menschen zu Frieden, Liebe, Ruhe und Brüderlichkeit aufruft. Und damit nicht genug: vor jedem Gebet ringt sie ihren Gläubigen bei der rituellen Waschung die oben beschriebenen Versprechen ab. Muslime sollten sich immer und überall an diese Versprechen erinnern und dementsprechend handeln.

Verehrte Geschwister,
Unser Prophet macht uns in einem seiner Sprüche darauf aufmerksam, dass wir Wert legen sollten auf gute Taten und körperliche und geistige Reinheit: „Meine Gemeinschaft wird am Jüngsten Tag, wenn sie sich versammelt, glänzende Gesichter und reine, glänzende Hände und Füße haben. Jeder sollte, im Rahmen seiner Möglichkeiten, etwas tun, um diesen Glanz zu mehren.“ [3] Der Prophet Muhammed (Gottes Segen und Heil seien auf ihm), der einen vorbildlichen Charakter hatte, dient uns auch im Hinblick auf die Reinheit als gutes Vorbild. Er legte sein Leben lang Wert auf Reinheit. Wenn er in die Moschee ging, oder zu Freunden eingeladen war und sich in Gesellschaft befand, achtete er auf reine und schöne Kleidung. Er legte auch Wert darauf, vorher keine Zwiebeln, oder Knoblauch zu essen, um die anderen Menschen nicht mit dem Geruch zu stören. Ferner forderte er dazu auf, sich mit der Grippe oder ähnlichen ansteckenden Krankheiten nicht unter die Menschen zu mischen und insbesondere Moscheen nicht aufzusuchen.
Verehrte Muslime,
Wir sollten auf jede Art materielle und geistige Reinheit achten. Daneben sollten wir auch das Land, in dem wir leben, unsere Stadt, unser Viertel, unsere Straße und unsere Parkanlagen sauber halten. Dies ist eine der wichtigsten Zeichen dafür, dass wir Muslime sind. Ich beende meine Predigt mit einer Prophetentradition (hadis), einem Spruch des Propheten, die zur Tradition erhoben und befolgt wird: „Wer von einer Straße, die von Muslimen benutzt wird, etwas, was sie stört, aufhebt und beseitigt, dem wird Allah dies als gute Tat anrechnen. Und wem Allah etwas als gute Tat anrechnet, den nimmt er in sein Paradies auf.“ [4]
[1] Müslim; Teharet, 1; Tirmizî, Deavât, V, 536; Ahmed, V, 342.
[2] Tirmizî, 41. IV, 112.
[3] Buhari Müslim.
[4] Buhari Tecrid-i Sarih H. No:223.
Die Prediktkommission